Fast jeder von uns hat es schon einmal erlebt, dass er als Konsument mit dem Trend der Individualisierung konfrontiert wird. Dies macht uns eine Kaufentscheidung nicht immer leicht, bietet aber einen verlockenden Hauch von Luxus, Komfort und persönlicher Note. Wir können diesen Trend in fast jeder Branche wiederfinden, egal ob Autoindustrie, Fahrradindustrie, Elektro- und Computerbranche.
Beim Autokauf ist der Trend sehr deutlich und fortgeschritten. So haben renommierte Fahrzeugmarken im Angebot, dass die Fahrerabstimmung elektronisch im Chip des Fahrzeugschlüssels gespeichert wird. Frau und Herr Fahrzeuglenker bleibt es nunmehr erspart, die Einstellungen an Radio, Sitzen, Innen- und Außenspiegel manuell zu bedienen – jeder hat seine Konfiguration im Chip gespeichert und somit “in der Hand” (Stichwort Personalisierung).
Auch beim Kauf eines Fahrrades im gehobenen Preissegment ist dies zu beobachten: Der Biker kann sein Fahrrad auf der Internetseite des Herstellers konfigurieren und sein Rahmenmaß nehmen (Custom Made). Dabei bestimmt der Besteller selbst, mit welchen der angebotenen Komponenten, Farben und Maßen sein Fahrrad bestückt bzw. ausgeliefert wird. Der Kunde hat dabei das erhabene Gefühl, ein Fahrrad jenseits der Massenproduktion zu fahren. In der Elektrobranche können wir die Individualisierung etwa bei Haushaltsgeräten erleben…
Kühl- und Gefrierschränke managen für uns individuell die Vorrats- und Bestellmenge. Bei Bedarf erhält der Besitzer einen elektronischen Hinweis bzw. Einkaufszettel. Andernfalls können die Waren sogar online bestellt werden. Außerdem lassen sich die wichtigsten Haushalts- und Elektrogeräte über eine zentrale Hausanlage steuern.
In der Computerbranche wird der Trend zur Individualisierung durch optische Akzente gesetzt: Beispielsweise setzt Dell bei seinen Laptop-Gehäusen auf mehr Auswahl in Farben und Mustern.

Und wie sieht es mit Produkten der Finanzdienstleistungsbranche aus? Auch hier ist der Trend der Individualisierung erkennbar, steckt aber noch in Kinderschuhen. Das Plastikgeld in Form von EC- oder Kreditkarten wird als umsatzstarkes Zahlmedium genutzt, um noch mehr Kundenbezug entgegenzubringen bzw. auszustrahlen. Dies wird zum Beispiel dadurch erreicht, dass die Motive aus einer bestimmten Menge auswählbar sind. Die Financial Services von Volkswagen, Audi, Mercedes und Porsche haben diese Varianten bereits im Programm. Aber Individualisierung bedeutet mehr und verlangt auch inhaltliche Lösungen. Diese sind im Retailgeschäft nicht immer erkennbar, könnten jedoch Großes bewirken.
Derzeit hat der Kunde im Direktbankvertrieb oft den Eindruck, dass nur statische Produkte existieren. Gerade in Zeiten wie dieser, geprägt durch Bankenkrise und Misstrauen, stellt man sich die Frage, ob nicht mehr kundenorientiertes Handeln im Vordergrund stehen sollte? Warum also nicht mehr Dynamik in die Produktpolitik bringen, z.B. in Form eines Konfigurators, den auch die Autoindustrie einsetzt? Könnte die Vision nicht folgende sein, dass kombinierbare und damit rabattfähige Produktkombinationen für bestimmte Personenkreise und Altersgruppen entstehen? Beispiel: Junge Familien mit Gehaltskonto, Haushaltskonto und Vorsorgeprodukten. Der Kampf um jeden Kunden ist heute wichtiger denn je. Sind die Banken hier auf dem richtigen Weg oder wird zu wenig investiert? Was ist eure Meinung oder Erfahrung hinsichtlich Produktpolitik?








Mo, Okt 13, 2008
Et Cetera