Gabriele Papke ist Leiterin der Pressestelle im Münchner Tourismusamt. Ihr Team versorgt Presse und Medien mit Informationen über die Tourismusdestination München und auch die Wiesn, die wie Dulten, Stadtgründungsfest und der traditionelle Christkindlmarkt vom Tourismusamt der Landeshauptstadt München veranstaltet wird. Über ein mangelndes Medieninteresse am Oktoberfest kann sich Frau Papke nicht beklagen – im Gegenteil. Das Cirquent Blog hat die erfahrene Kommunikatorin befragt über Licht- und Schattenseiten der PR-Arbeit für das weltweit größte Volksfest.
Cirquent Blog: Frau Papke, früher einmal waren Sie Dramaturgin am Theater. Heute betreuen Sie die Öffentlichkeitsarbeit für das Oktoberfest. Auf den ersten Blick haben diese Tätigkeiten nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten Blick vielleicht?
Gabriele Papke: Als Theaterschaffende habe ich gelernt, mich auf ständig neue und unvorhersehbare Situationen, wechselnde Sujets und die unterschiedlichsten Personen einzustellen und rasch und kompetent damit umzugehen. Das ist beim Oktoberfest nicht anders – hier wie dort ist alles auch ein großes Theater!
Schätzen Sie persönlich das Oktoberfest? Ist das für Ihre Arbeit sogar notwendig?
Schon zu Studienzeiten war ein Besuch der Wiesn für mich einfach ein Muss. Ein bisschen vom Wiesn-Virus bin ich schon infiziert und auch als Volkskundlerin ein Oktoberfest-Fan.
Wann geht der Presserummel um die Wiesn eigentlich so richtig los?
Während des Jahres gibt es immer wieder „Medienereignisse“: Das jährlich neu gekürte Wiesn-Plakatmotiv im Januar/Februar, das Wiesn-Festleiterin und Tourismusdirektorin Dr. Gabriele Weishäupl vorstellt, den Bierpreis im Mai, die Wiesn-Pressekonferenz im Juli, die der Startschuss für die (internationale) Wiesn-Berichterstattung ist.
Machen Sie aktiv Werbung für dieses Ereignis?
Nein. Seit der Jubiläums-Wiesn 1985 wird für dieses Fest nicht mehr geworben, sondern nur informiert. Es ist mittlerweile zu einem echten Selbstläufer geworden.
Sind Sie auf der Wiesn vor Ort?
Wir sind ein Team von drei Pressereferentinnen, verstärkt durch Praktikanten. Ich bin fast täglich in der Wiesn-Pressestelle, die beiden anderen Pressereferentinnen wechseln sich wochenweise ab.
Wie sieht der Tagesablauf dort aus?
Kernzeit ist von 10 bis 18 Uhr. Vorher werden die Presse und die E-Mails gesichtet und natürlich die Tagestermine und -themen mit der Festleiterin abgestimmt und besprochen. Oft ist am Vormittag ein Pressetermin auf dem Gelände, der organisiert und betreut werden muss. Tagesgeschäft sind die vielen Fernsehteams, die eine Drehgenehmigung brauchen, die Anfragen von Journalisten zu speziellen Wiesn-Themen, die Betreuung vor Ort. Nicht zu vergessen das Verfassen von Pressetexten etc., für das meistens erst nach 18 Uhr Zeit ist.
Wie viele (internationale) Pressekontakte haben Sie während der Wiesn?
Im letzten Jahr zählten wir allein während der 16 Tage rund 2537 Journalistenkontakte aus dem In- und Ausland wie aus Australien, Brasilien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Irland, Italien, Kanada, Niederlande, Österreich, Russland, Schweden, Schweiz, Slowenien, Taiwan, Tschechien, Ukraine und den USA.
Und die witzigste Erfahrung mit der filmenden und schreibenden Zunft?
Immer wieder die Frage, wieviel Liter eine Maß Bier hat.
Sauf- und Skandalgeschichten rund um die Wiesn sind in den Medien natürlich beliebt. Lassen sich Themen setzen, um ein ausgewogeneres Bild dieses Mega-Events zu erzeugen?
Die Wiesn besteht nicht nur aus der Wirtsbudenstraße, sondern auch aus dem wunderbaren Schaustellerteil mit historische Attraktionen, die es nur noch auf dem Oktoberfestzu sehen gibt. Da gibt es Themen in Hülle und Fülle, die auch gerne aufgegriffen werden.
Inwiefern hat das Internet die Berichterstattung über das Oktoberfest verändert?
Die Berichterstattung ist sehr viel stärker geworden: Es gibt zusätzlich zu den klassischen Medien sehr, sehr viele Netzzeitungen und Internet-Portale, die alle über die Wiesn berichten. Die Informationen werden immer schneller nachgefragt und vermittelt.
Der Medienhype rund um die Wiesn hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Glauben Sie, dass das so bleiben wird?
Medienhypes sind Moden unterworfen. Wenn eine Mode lange genug angesagt ist, wird sie langweilig und das Medieninteresse sucht sich einen neuen Hype.
Glauben Sie, dass sich die Wirtschaftskrise negativ auf das Oktoberfest 2009 auswirken wird?
Da das Oktoberfest in erster Linie ein bayerisches Fest ist – 72 Prozent der Besucher kommen aus München und dem Umland – und nur ca. 15 Prozent der Gäste aus dem Ausland kommen, darüber hinaus ein Besuch der Wiesn gerade für die Münchner in den Jahresablauf gehört wie Ostern oder Weihnachten und deshalb schon ein Besuch im Budget berücksichtigt ist, dürfte sich die Krise auf der Wiesn generell nicht ganz so dramatisch auswirken.
Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Dulten von der Wiesn?
Die Auer Dult ist in München Kult wie die Wiesn, doch sehr viel kleiner und deshalb gemütlicher und im guten Sinne außer der Zeit und aller Moden.
Kommen Sie eigentlich auch mal dazu, während der Wiesn ein Hendl und eine Maß zu verdrücken?
Eine Fahrt mit der Krinoline muss für mich unbedingt sein auf dem Oktoberfest, aber gemütlich ein Bier trinken – das tue ich lieber nach getaner Arbeit daheim.







Mo, Mai 18, 2009
Et Cetera