Das Ende von Moore’s Law?

Do, Mai 28, 2009

IT & More

Das Ende von Moore’s Law?

Auf einem Treffen von Halbleiter-Spezialisten hat Carl Anderson, ein Cheftechnologe bei IBM, verlauten lassen, Moore’s Law gelte in naher Zukunft nicht mehr. Moore’s Law oder das Moorsche Gesetz, das ist diese Regel, ohne die zu zitieren kaum eine Präsentation über Technologie und Innovation auskommt. Seine Kurzfassung: Alle 18 Monate verdoppelt sich die Leistung von Chips.

Die Erwähnung dieses Gesetzes wird durchweg mit Kenntnis zeigendem Kopfnicken quittiert. Es ist sicherlich das am meisten zitierte Gesetz im Zusammenhang mit Innovation. Und das soll nun nicht mehr gelten?

Gordon Moore ist einer der Mitbegründer von Intel. Er selbst hat das Ende der Gültigkeit seines Gesetzes vorher gesagt. Aus technologischen Gründen, so Gordon Moore beim Antritt seines Ruhestandes, könne sich die Leistung von Chips nicht in alle Ewigkeit alle 18 Monate lang verdoppeln. Irgendwann ist da mal Schluss. Das leuchtet ein. Nach Moores Vorstellung ist dieses Ende allerdings noch lange nicht in Sicht.

Carl Anderson wiederum sieht das Ende des Mooreschen Gesetzes schon etwas näher liegen. Er argumentiert ökonomisch. „Ein oder zwei Generationen wird die Entwicklung in den Spitzenbereichen noch weitergehen, beispielsweise bei Multicore-Prozessoren. Jedoch merken Entwickler bereits jetzt, dass die neuesten Chipdesigns für Standard-Applikationen nicht notwendig sind“, sagte Anderson.

Gerade hat das Forschungszentrum Jülich den schnellsten Computer Europas in Betrieb genommen. Ein Gegenbeweis zu Anderson? Das Forschungszentrum braucht diese Rechenleistung zur Berechnung von Fusionsreaktionen und Klimamodellen. Leute, die damit zu tun haben, können nie genug Rechenleistung bekommen.

Ich glaube nichtsdestrotz, das Mooresche Gesetz hat schon heute ausgedient. Die IT ist gereift. Technologiesprünge und Preisverfall nimmt man gerne mit, aber sie schlagen nicht mehr durch auf die Produktivität.

Heute sind wir in den Industriegesellschaften soweit, dass jedermann sich mindestens einen Computer leisten kann. Nicht selten sogar noch ein Notebook und ein iPhone dazu. Mit der Popularisierung des Computers und der Maturisierung des Marktes hat sich die technische und die ökonomische Bestimmung des Mooreschen Gesetzes als Produktivitätstreiber erfüllt. Der Moore hat seine Schuldigkeit getan. Der Moore kann gehen.

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Thomas Siegner ist zuständig für Markenführung und Kommunikation bei Cirquent. Der studierte Psychologe und Soziologe verantwortet die Kommunikationsstrategie des Beratungsunternehmens. Das Branding von Dienstleistern zählt ebenso zu Siegners thematischen Steckenpferden wie Innovationen im Marketing.

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