Heute war ein Morgen wie fast jeder andere – bis ich im Zug saß: Keine Zeitung, ich hatte sie vergessen. Ich bin hier ein wenig konservativ, aber ausnahmsweise starte ich also meinen neuen Blackberry schon vor 8 Uhr. Einerseits könnte man die Mails von gestern überfliegen, andererseits auch im Internet die Morgenlektüre durchführen. Ich fand dabei einen HBR Editor’s Blog: „Is Listening an Endangered Skill“. Diesen will ich hier zitieren, beziehungsweise einen Teil auf Deutsch übersetzen, denn als neuer BB User will ich in Zukunft darauf achten, dass neue Tools nicht die alte Kunst des Zuhörens zerstören. Der Editor schreibt treffend, dass er beobachtete, wie manche Leute z.B auf teuer bezahlten Konferenzen nicht immer zuhören, sondern sich emsig mit der Firmenkommunikation über das Mobiltelefon beschäftigen. Er empfiehlt einen alten HBR-Artikel ‚Listening to People‘, der folgende vier Prozessschritte für erfolgreiches Zuhören als mentale Aktivitäten auflistet:
- Der Zuhörer denkt voraus, er versucht zu erkennen wohin die Ausführungen des Redners führen und welche Schlüsse aus dem gerade Gesprochenen zu ziehen sein werden.
- Der Zuhörer wägt die Beweise ab, welche der Sprecher verwendet, um seine Aussagen zu untermauern. „Ist die Aussage richtig?“, fragt sich der Zuhörer. „Ist die logische Kette komplett?“
- Regelmäßig fasst der Zuhörer das bisher Gehörte in Gedanken zusammen.
- Während der Rede beachtet der Zuhörer „Unausgesprochenes zwischen den Sätzen“, um nach der Bedeutung zu suchen, welche sich auch hinter dem Gesprochenen verbirgt. Er beachtet die nonverbale Kommunikation (Gesichtsausdrücke, Zeichen, Stimmlage), um weitere Bedeutung zu den Wörtern hinzuzufügen. Er fragt sich selbst: „Umgeht der Redner absichtlich bestimmte Bereiche des Themas? Warum macht er dies?“
Soviel zum Zuhören. Ich hoffe, auch emsige Blog-Leser verlernen dies nicht – denn meist ist ja die menschliche Interaktion facettenreicher und interessanter. Und für uns Berater ist dies auf alle Fälle eine unumgängliche Fähigkeit – bei Cirquent zumindest.







16. November 2009 at 11:26
Im Studium an der Hochschule der Philosophie wurden wir von den Jesuiten im philosophischen Diskurs gechult: Die Übung bestand darin, dass man dem Sprecher zuhört und dann das Gesprochene in eignen Worten wiedrholt, um sicher zu gehen, dass man seinen Diskussionspartner auch richtig verstanden hat.
Als Kommunikationsberaterin mache ich heute nichts anders: Ich höre erst einmal zu und fasse dann das Gesagte noch einmal zusammen: “Also, wenn ich Sie richtig verstanden habe, meinen Sie, dass …” Erst nach diesem “Zwischenschritt” bringe ich meine Argumente, Empfehlungen, Hinweise, Bedenken etc.
Kurzum: Gut Zören kann man meiner Erfahrung nach nur, wenn man eben nicht beim Zuhören “voraus denkt” und überlegt, was man denn jetzt darauf erwidern soll, sondern einfach nur zuhört und zu verstehen versucht. Bzw.: Nicht nur das Gehörte in Gedanken zusammenzufassen, sondern bitte aussprechen – das “freut” den Gesprächspartner (ihm wird ja dadurch eine höhere Wertschätzung entgegengebracht) und hilft, Missverständnisse zu vermeiden.