G. Jauch und F. Schirrmacher bei Beckmann

Di, Nov 24, 2009

Communication

Am vergangenen Montag hatte Reinhold Beckmann Günther Jauch und Frank Schirrmacher zu Gast. Thema war das neue Buch von F.A.Z. Herausgeber Schirrmacher „Payback“.  Untertitel: “Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen”. Die These des Buches kurz gefasst: Der Computer beherrscht unser Leben. Der Computer verändert unser Gehirn. Wir verlernen das Rechnen und das Denken. Und man kann nix daran ändern.

Eine nette Mischung: Frank Schirrmacher, der kluge Intellektuelle mit dem Gespür für den Zeitgeist. Er liefert mit den drastischen Beispielen in seinem Buch  allen Kulturpessimisten reichlich Stoff, ohne selbst zu einem zu werden. Günther Jauch, der ebenso so gebildet wie eloquent, zugleich ideale Fernsehfigur und Journalist aus dem wirklichen Leben ist. Und Beckmann, der beiden eifrig die Schlagworte zuwarf, was sie aber eigentlich nicht nötig hatten.

„Ich schaffe es auch nicht, mein Handy auszuschalten“, bekennt Jauch. „Die Maschinen wissen alles über uns“, unkt Schirrmacher. Die beiden hatten ein vitales Mitteilungsbedürfnis, haben unglaublich viel Richtiges gesagt, aber leider auch unglaublich wenig Wichtiges. Fernsehen halt.

Für mich war diese Diskussion ein persönliches Dejavue. Als ich mein wirtschaftlich wertloses Diplom der Sozialwissenschaften erworben hatte und vor der Frage stand, womit ich mein Geld verdienen sollte, erschien ein Buch mit dem Titel „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“. “Unsere Zivilisation steht heute am Anfang einer schweren geistigen Krise (…). Der meiste Schaden, den der Computer potenziell zur Folge haben könnte, hängt weniger davon ab, was der Computer tatsächlich machen kann oder nicht kann, als vielmehr von den Eigenschaften, die das Publikum dem Computer zuschreibt.“ Joseph Weizenbaum schrieb über die „Künstliche Intelligenz“. Er selbst hatte zuvor das Programm Eliza entwickelt. Dieses war imstande, Dialoge zu formulieren, die von Testpersonen ohne jeden Zweifel hochqualifizierten Psychiatern zugeordnet wurden. Für Weizenbaum stand die Herrschaft der Maschinen unmittelbar bevor.  Als „fast 68er“ war ich für diese radikale Kritik sehr aufnahmefähig.

Trotz und wegen Weizenbaum bin ich dann in die IT gegangen (damals EDV). Das war 1977. Ich habe meinen ersten Job als Operator in der IT-Branche angefangen. An meinem dritten Arbeitstag wurde an unserem Großrechner eine Speichererweiterung um einige Kilobyte vorgenommen. Nachdem zuvor der Statiker sein OK gegeben hatte!

Die technologische Entwicklung seitdem ist rasant. Weizenbaum ist ein ewiger Mahner geblieben. Heute haben wir „Fuzzy Logic“ in jeder Waschmaschine,  aber Weizenbaums Befürchtung, wegen der Entwicklung der „Künstlichen Intelligenz“ werde der Mensch entmachtet, hat sich in keiner Weise bestätigt. In Bezug auf Schirrmachers Thesen beweist das immerhin soviel, dass nicht die technische Entwicklung eine gesellschaftliche Erosion evoziert, sondern die gesellschaftliche Entwicklung sich auch in Technologie ausdrückt.

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- schrieb 55 Beiträge im Cirquent Blog.

Thomas Siegner ist zuständig für Markenführung und Kommunikation bei Cirquent. Der studierte Psychologe und Soziologe verantwortet die Kommunikationsstrategie des Beratungsunternehmens. Das Branding von Dienstleistern zählt ebenso zu Siegners thematischen Steckenpferden wie Innovationen im Marketing.

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One Response to “G. Jauch und F. Schirrmacher bei Beckmann”

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    Just my 2¢ Says:

    Zunächst mal: Wo *Informatik* drin ist, sollte _nicht_ IT draufgeschrieben werden.

    Was das (wirklich sehr schlichte) Programm Eliza angeht, so ist dieses nach wie vor funktionsfähig und kann von Schülerinnen und Schüler mit minimaler informatischer Bildung, wie sie in Bayern, Sachsen-Anhalt und Sachsen für alle Schüler verpflichtender Bestandteil der allgemeinen Bildung ist, entwickelt werden.

    Um sich qualifiziert mit Informatiksystemen auseinander zu setzen, bedarf es der Bildung, die alle drei Protagonisten in dieser Sendung vermissen lassen — wenn man informatisch ungebildet ist, erscheint die Zukunft in der Tat undurchsichtig und man wird zunehmend handlungsunfähig — dies aber passiert den Ungebildeten und damit »Unfreien«.

    Dies ist der wahre Skandal — dass nämlich Lehrkräfte nicht verpflichtend informatisch gebildet werden, dass die Naturwissenschaften auf dem Rückmarsch sind und Informatik als Schulfach in weiten Teilen der Bundesrepublik kein Pflichtfach ist.

    Alle Menschen müssen informatisch gebildet sein, dann können sie ihre Zukunft auch gestalten.

    Just my 2¢


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