Meine zwei Tage auf der Re:publica sind um, und ich bin gestern abend gerade noch rechtzeitig aus Tegel weggekommen, bevor der Flughafen wegen des Vulkanausbruchs auf Island geschlossen wurde. Glück muss der Mensch haben!
Öffentlich oder privat. Transparent oder diskret. Kommerziell oder frei. Zensur oder Meinungsfreiheit. Blogger oder Journalist. Zwischen diesen Polen bewegten sich die Diskussionen über das Internet auf der vierten Re:publica.
Meine persönlichen Highlights: Natürlich der Vortrag von Webguru Jeff Jarvis (oh Wunder!). Und das nicht zuletzt, weil der Mann sein Handwerk auf der Bühne einfach beherrscht. Hier sein Vortrag als Mindmap. Jarvis ließ sich übrigens nicht gleich wieder ausfliegen, sondern hat rege an der Konferenz teilgenommen, was mir gut gefallen hat. Es gab, wie sollte es auch anders sein, auch harsche Kritik an ihm. Aber ich frage mich: Was ist gegen eine gute Selbstvermarktung einzuwenden? Allerdings: Was der Konferenz sicher gut getan hätte, wäre ein Speaker vom Format eines Schirrmacher gewesen, der das Internet nicht ganz so euphorisch sieht.
Schön war auch die sprachverliebte Keynote von Peter Glaser, der sich ebenso wie Jarvis dagegen aussprach, “Angstdebatten” über das Internet zu führen. Besonders fasziniert hat mich diese kleine Erzählung: “Ein Beispiel für eine Brückentechnologie: Zwei Studenten am Interaction Design Institut in Mailand – die Inderin Aparna Rao und der Schwede Mathias Dahlström – haben eine mechanische Olivetti-Schreibmaschine so umgerüstet, dass man damit E-Mails verschicken kann.Angesichts der Sorge ihrer Mutter, ohne E-Mail zunehmend vom sozialen Austausch mit den jungen Familienmitgliedern, die in verschiedenen Weltgegenden leben, ausgeschlossen zu sein, entschloß sich die Inderin, etwas zu unternehmen. In Indien sind mechanische Schreibmaschinen nach wie vor weit verbreitet (…)”
Gut unterhalten gefühlt hab ich mich auch bei Sascha Lobos Vortrag mit dem schönen Titel: How to survive a shitstorm. Lobo weiß jedenfalls sehr gut, worüber er spricht. Wer übrigens ein aktuelles Beispiel für einen Shitstorm haben möchte, kann sich diesen aktuellen Blogbeitrag anschauen, der sich auf das gestrige Re:publica-Panel zu Sexismus im Web bezieht. Von “digitaler Avantgarde” ist hier leider keine Spur mehr zu entdecken.
Definitiv lohnenswert war auch Daniel Schmitts Beitrag über Wikileaks. Dass diese Plattform eine Bereicherung für investigative Journalisten sein kann und keine Konkurrenz, machte der Vortrag sehr deutlich.
In der kommenden Woche möchte ich in einem weiteren Blogbeitrag darauf eingehen, welche Relevanz die Themen der Re:publica für Unternehmen und ihre Kommunikation haben.
Übrigens: So sieht man aus, wenn man nachts um 3.30 aufgestanden ist, um zur Re:publica 2010 in Berlin zu fliegen und dann vom Twittwocher Stefan Wolpers beim ersten Kaffee abgelichtet wird. ; )
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Pauls: No 1: Jeff Jarvis diskutiert mit den Zuhörern, No 4 und 5: Grandiose Session von Melissa Gira Grant über “Sex and the internet”, No 8: Sascha Lobo über Shitstorms, No 9: Twitterlesung
Weitere lesenswerte Beiträge zur #rp10:
Twitterstream: http://twitter.com/#search?q=%23rp10
Videointerviews: http://re-publica.de/10/2010/04/15/interviews-peter-kruse-peter-sunde-david-sasaki-und-jeff-jarvis/
Vortrag von Peter Kruse: http://www.scribd.com/doc/29900810/republica2010
Wohin steuert das Internet: http://ow.ly/1qva98
Deutsche Blogger: http://ow.ly/1yOPr
















20. April 2010 at 21:16
Stephanie von der Mädchenmannschaft hat heute noch mal zu diesem Thema gebloggt: http://maedchenmannschaft.net/in-was-fur-einer-gesellschaft-wollen-wir-leben/
Und ich habe die Fortsetzung dazu geschrieben: http://www.piratenweib.de/?p=1396