Der Euro fällt, Griechenland steht immer noch kurz vor der Pleite und unsere Regierungen kämpfen verzweifelt um den Erhalt des europäischen Währungsraumes. In dieser dramatischen Situation ist es doch gut zu wissen, dass es mit Apple immerhin eine etablierte Institution gibt, die als Retter in der Not einspringen könnte. Apple würde sich dann nicht nur der Musik- und Medienindustrie annehmen, sondern gleich auch noch des gesamten Weltfinanzsystems. Doch wie komme ich überhaupt dazu, so etwas zu behaupten?
Einige von Apple neu angemeldete Patente deuten darauf hin, dass sich das Unternehmen zunehmend mit den Themen M-Payments und M-Commerce beschäftigt. Wie von Apple gewohnt, wird das zugrundeliegende Geschäftsmodell wohl auf einem geschlossenen System beruhen, in dem Apple die Bedingungen diktieren wird. Wäre es dann nicht auch naheliegend, dazu gleich noch eine eigene Währung einzuführen? Nennen wir sie doch mal den iRo. Dieser iRo hätte viele Vorteile gegenüber anderen Währungen. Da es die erste allgemein akzeptierte Weltwährung wäre, könnte man alle anderen Währungen sogleich abschaffen. Der Wechselkurs wäre stabil, da er – natürlich – von Apple festgelegt wird. Eine Inflation oder Deflation ist von vorneherein nicht zu befürchten, da Apple mit seiner eigenen iBank die Geldmenge kontrollieren würde und für alle gehandelten Waren beliebig das Angebot verknappen kann. Die Notenbanken braucht man dann also auch nicht mehr. Und wer zuviele Schulden anhäuft, muss entweder sein iPhone abgeben oder so lange unentgeltlich mobile Apps programmieren, bis der Schuldenberg wieder abgetragen ist. Dann sind auch die Geschäftsbanken überflüssig. Und im Gegensatz zu Politikern hat Apple eine Abwahl durch erboste Nutzer auch nicht zu befürchten. Alternativen zum iRo gibt es ja dann keine mehr.
Sicher, der iRo ist nur eine Fiktion. Doch würde es Apple gelingen, den M-Commerce und M-Payments Markt ebenso zu dominieren wie den Musikmarkt, so würde davon vermutlich hauptsächlich das Unternehmen aus Cupertino selbst profitieren. Den bisherigen Akteuren, die diese Märkte in der realen Welt betreiben, bleibt dann im mobilen Umfeld nur die undankbare Statistenrolle. Die Transformation des eigenen Geschäftsmodells in wachstumsstarke Zukunftsmärkte wäre für diese Unternehmen mißglückt. So erging es der Musikindustrie, und so wird es mit der Einführung des iPad vermutlich auch der Zeitungs- und Buchindustrie ergehen. In beiden Fällen war die starke Positionierung von Apple nur dadurch möglich, weil es den anderen Akteuren nicht gelungen ist, selbst ein tragfähiges, kooperatives Geschäftsmodell zu entwickeln und sich damit rechtzeitig zu positionieren. Den Banken, Handelsketten und anderen Dienstleistern könnte es dann irgendwann ähnlich ergehen, wenn sie Ihren Kunden keine überzeugenden Lösungen für die sich in ihren Branchen entwickelnden mobilen Anwendungsfälle präsentieren können.
Doch was können Unternehmen tun, um in der mobilen Welt nicht den Anschluss zu verlieren? Gerade in der IT-Branche gibt es die Tendenz, dass Unternehmen bei Infrastrukturthemen sehr schnell eine marktbeherrschende Stellung einnehmen können, die zu starken Abhängigkeiten der anderen Marktteilnehmer führt. Dies gilt im Bereich der Betriebssysteme für Windows, bei Suchmaschinen und Internetwerbung für Google, und beim Vertrieb von mobilen Applikationen und Medien für Apple. Doch diese Entwicklung muss nicht zwangsläufig stattfinden. Durch eine Kooperation von Stakeholdern können gemeinsame Standards für die Infrastruktur von Wirtschafts-Systemen in der mobilen Welt etabliert werden. Solche offenen Systeme bieten dann allen Unternehmen die Basis dafür, an einem vitalen Wettbewerb um die beste Lösung für den Kunden teilzunehmen. Das Internet selbst ist ein erfolgreiches Beispiel für solch eine standardisierte Infrastruktur, die Raum für Innovationen und einen “gesunden” Wettbewerb zwischen den Marktteilnehmern bietet.
Ob der Markt für M-Payments und M-Commerce tatsächlich von einem einzigen Marktteilnehmer wie z.B. Apple dominiert wird, oder sich stattdessen ein offenes System etabliert, lässt sich heute noch nicht voraussagen. Doch nur wenn Unternehmen kooperieren, wird ein offenes System eine Alternative zur Marktbeherrschung eines einzigen Players sein. Cirquent engagiert sich daher für einen kooperativen Ansatz und wird diesen durch Sensibilisierung seiner Kunden, gemeinsame Forschungsprojekte und branchenübergreifende Partnerschaften speziell im Bereich M-Payments weiter fördern und unterstützen.







Di, Apr 27, 2010
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