Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen war, aber mich hat’s schon als Kind genervt, wenn die Großen zur mir sagten: Dafür bist du noch zu klein. Das verstehst du nicht. Wir wissen schon, was gut für dich ist! Mit Erklärungen wäre mir besser gedient gewesen, ich hätte mich zumindest ernstgenommen gefühlt. Im Erwachsenenleben ist das ja nicht anders. Nehmen wir mal die nicht ganz konfliktfreie Beziehung zwischen Mensch und IT. In unserer Branche wissen wir nur zu gut: ob die Einführung eines neuen Systems, einer neuen Software erfolgreich ist, hängt ganz wesentlich von der Akzeptanz ihrer Benutzer ab. Man muss diese also rechtzeitig mit ins Boot holen, sonst führen sie beispielsweise weiterhin lieber selbstgestrickte Excel-Listen als die neue Lösung zu einzusetzen. Die Folge: teure Systeme stehen ungenutzt herum, die erhofften Effizienzeffekte bleiben aus.
Es gibt allerdings auch Innovationen in der IT, um die ich als Gewohnheitstier und von Natur aus zutiefst konservativer “Endanwender” kaum herumkomme. Obwohl ich nie nach ihnen gerufen habe. Im Web wären das beispielsweise Google-Startseiten, die über Nacht ihr Aussehen völlig verändern oder die kryptischen Datenschutzeinstellungen in Facebook. Im Büro fällt Microsoft Office in diese Kategorie. Es wird bekanntlich in regelmäßigen Abständen upgedatet, damit alles besser wird (andere Gründe gibt es sicher auch noch).
Ich weiß schon, was gut für dich ist! Die dramatischen Folgen dieser falschen Fürsorge zeigen sich, wenn die Phase der Office “Migration” über alle hereinbricht. Verzweifelte Kollegen irren auf der Suche nach der nicht ganz unwichtigen Funktion “Speichern unter” hilfesuchend durch die Gänge. In der Kaffeeküche finden spontane Barcamps statt, die sich im Schnelldurchgang gegenseitig darüber updaten, wo jetzt in Outlook der Abwesenheitsassistent versteckt ist.
Natürlich installiert der ein oder andere Untergrundkämpfer Open Office, weil er um das unfreiwillige “learning while trying to work” herumkommen möchte. Aber das bleibt die Ausnahme. Die Mehrheit brütet über aufwändig gestalteten “Vorher-Nachher-Handbüchern” und fragt sich, warum die Befehle nicht einfach dort bleiben konnten, wo sie immer waren. Aber wie sagte schon der große Jean Paul? Wenn das Schicksal hart zufasst, soll der Humor es sanft abschütteln.







15. Juni 2010 at 10:59
Der “PCdenzfall” von Bodo Wartke ist hier vielleicht noch eine schöne Ergänzung zu diesem leider “ach so wahren” (seufz!) Beitrag: http://www.youtube.com/watch?v=it9nfPGTrgI