Konrad Zuse wäre in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden. Seinen runden Geburtstag nahmen viele zum Anlass darüber zu philosophieren, wie extrem doch der technische Fortschritt von dem anerkanntermaßen ersten Computer der Welt – Zuses Z3 – bis zu den heutigen Wundermaschinen ist. Man muss nur einmal die technischen Daten von Zuses Z3 mit dem vergleichen, was man heute aus jedem Mediamarkt mal eben so wegtragen kann: Der Z3 hatte einen Speicher von 64 Worten à 22 Bit. Bit wohlgemerkt, wir denken heute nur noch in Gigabyte, was wären 8.000.000.000.000 Bit. Getaktet wurde der Z3 von einem Elektromotor, der sich in der Sekunde 5,3 mal drehte und somit eine Taktfrequenz von 5,3 Hz lieferte. Wir denken heute in Gigahertz, das sind 1.000.000.000 Hz. Ein beeindruckender technischer Fortschritt in 70 Jahren.
Gigabyte und Megahertz, das sind Größenordnungen aus dem Büro. Schon im Kinderzimmer geht es bald um Terabyte und Terahertz. Und erst im Labor! Passend zu Zuses 100tem Geburtstag ging die Meldung durch die Presse, dass IBM im kommenden Herbst Watson vorstellen will. Watson ist eine Art Nachfolger von Deep Blue, dem bisher mit Abstand mächtigsten Computer der Welt. Wie Watson mit Terahertz und Petabyte (oder gar Exabyte) zu beschreiben ist, wissen wir nicht. Seine unglaubliche Leistungsfähigkeit wird ganz anders beschrieben: er soll imstande sein mitzuspielen! – bei Jeopardy! Schon Deep Blue musste sich im Spiel beweisen – im Schachspiel.
Trotz millionen- und milliardenfacher Steigerung der technischen Leistungsfähigkeit seit Zuses Z3 wäre es eine Sensation, wenn sich Watson bei Jeopardy nicht blamierte. Weil nämlich die Logik, mit der Zuses Z3 programmiert, mehr oder weniger die gleiche ist wie vor 70 Jahren. So wenig Fortschritt ist auch schwer vorstellbar.
Dass Watson seine Leistungsfähigkeit dadurch unter Beweis stellen soll, dass er aus Antworten die Frage erahnt, erinnert mich an meine Lieblingspointe aus dem Kultbuch der Internet Generation „Per Anhalter durch die Galaxis“: Das kürzeste Zitat der Literaturgeschichte: „42“. Das ist nämlich die Antwort, die der Supersuper Computer am Ende des Buches gibt, nachdem er das ganze Buch lang (und schon länger) an der Antwort gerechnet hat. Auf die Bemerkung hin, dass 42 eine etwas doofe Antwort sei, antwortet der Computer, dass ihm ja schließlich eine etwas doofe Frage gestellt wurde. Er schlägt vor, einen noch besseren Computer zu bauen, der nicht die richtige Antwort errechnet, sondern die richtige Frage. Es war schon immer schwieriger, die richtige Frage zu stellen. So gesehen haben sich die IBM-Entwickler die richtige Herausforderung für Watson gesucht.







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