Mitten im Sommerloch ist eine lebhafte Debatte über das vermeintliche Ende der Netzneutralität aufgekommen. Netzneutralität? Die wenigsten werden mit diesem Begriff etwas anfangen können. Netzneutralität ist knapp gesagt die Gleichbehandlung aller Datenpakete im Internet. „Bislang übermitteln die Netzanbieter die Datenpakete zwischen allen Internet-Teilnehmern völlig gleichberechtigt, alle Datenpakete fließen mit gleicher Geschwindigkeit und nutzen die zur Verfügung stehende Bandbreite ohne Präferenzen: Wenn es eng wird, sinkt die Übertragungsgeschwindigkeit für alle. Dieses Prinzip wird als Netzneutralität bezeichnet.“ (Spiegel Online)
In einem wenig beachteten Interview mit dem Manager Magazin hat Telekom Chef René Obermann vor einigen Wochen angedeutet, dass das Prinzip der Netzneutralität für die Telekom eigentlich geschäftsschädigend sei. „”Wir können nicht alles umsonst anbieten”, argumentiert der Telekom-Chef. “Zahlen müssen diejenigen, die die Netze stark beanspruchen”. Wer besonders datenintensive Premium-Inhalte anbietet, soll demnach eine Gebühr entrichten. Je mehr Bandbreite ein bestimmter Web-Dienst benötigt und je öfter er genutzt wird, so die Logik, desto mehr soll der jeweilige Anbieter bezahlen. Neben den Internetkonzernen soll die Regelung große Filmstudios betreffen, die hoch auflösende Videos über das Web anbieten.
Hat Obermann auf die Internet Enquete Kommission reagiert, die sich zuvor mit der Netzneutralität beschäftigt hatte, oder auf seine Geschäftszahlen oder auf beides?
Wie auch immer: Das Ende der Netzneutralität wäre das Ende des Internets wie wir es kennen. Natürlich ist das Internet keine soziale Veranstaltung. Die Server sind im privaten Besitz, die Leitungen sind im privaten Besitz, der Zugang ist privat organisiert und all das folgt privatwirtschaftlichen Interessen. Wenn man es ganz genau nimmt – und manche Blogger nehmen’s ziemlich genau, dann ist der Begriff der Netzneutralität unzutreffend und irreführend. Aber er ist nun mal gebräuchlich und er steht für das, was das Business Internet vom Business in der nicht-digitalen Welt unterscheidet: Die Chancen der Kleinen gegen die Großen. Es klingt ganz harmlos, wenn René Obermann fordert, die Großen müssten mehr bezahlen als die Kleinen. Aber in Wirklichkeit bedeutete es, dass am Ende die Großen auf der Überholspur fahren und die Kleinen den Standstreifen bekämen.







Di, Aug 17, 2010
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