Seit ich in dieser Woche teilgenommen habe am Social Media Kongress in Wiesbaden, ist bei mir das Fass übergelaufen: Ich bin total genervt von dem Social Media Gedöns! Ich bin im berühmten Gartner-Tal der Enttäuschung angelangt. Nun bin ich ja bei weitem nicht die erste, die ihr Unbehagen in dieser Sache bekennt. Andere haben das Thema schon längst auf dem Kieker, wenn auch aus den verschiedensten Gründen und Blickwinkeln. Bei uns auf dem Cirquent Blog haben wir auch schon in sozial verträglicher Form Dampf abgelassen dazu.
Ganz ehrlich: Weder hab ich noch Zeit und Nerven für diejenigen, die Twitter nicht mal buchstabieren können oder für eine gefährliche Krankheit halten, noch für die mehr oder weniger selbsternannten und selbstgefälligen Gurus und “Avantgardisten”, die den Social Media Olymp bevölkern und auf die armen Unwissenden hinieden herabschauen. Die sowieso immer alles besser wissen und in der Twittertimeline der SMS10 mal wieder ein fröhliches Stelldichein feierten. In die Mangel genommen haben die Herrschaften dabei vor allem die Unternehmensvertreter, die ihre Cases vorstellten: Wo bleibt denn da der ROI, was ist das für ein Quatsch, warum machen die denn so viel Eigenwerbung? (Hallo?!) etc. etc. Immerhin gab es zwischendurch auch lichte Momente wertvoller Selbsterkenntnis, wie dieser Tweet zeigte: 
Hand aufs Herz: Insgesamt herrscht doch auf diesem Parkett vorwiegend geschäftige Ratlosigkeit, und es wird ungeheuer viel heiße Luft verblasen. Also, ich halte es mit Herrn Lumma von Scholz & Friends: Social Media ist vorbei! lautete der Titel seines insgesamt reichlich blasiert gehaltenen Vortrages. Richtig: Social Media ist vorbei. Und Social Media ist vor allem kein Selbstzweck.
Ich sage den Ratlosen in der beratenden Zunft: Ihr seid auf dem Holzweg, wenn ihr meint, dass sich Social Media als Beratungsmodul für xtausende von Euro im Jahr verkaufen lässt! Ich sage den Verzweifelten unter den Unternehmenskommunikatoren: Macht euch locker und lasst euch bloß nicht ins Bockshorn jagen! Wir sollten uns alle miteinander wieder mehr besinnen auf die gute alte Botschaft bzw. Story und wie wir sie (im digitalen Zeitalter) am besten rüberbringen können.







8. September 2010 at 17:56
Was für ein wunderbarer Beitrag! Danke Meike!
Beste Grüße
Kurt
PS: Eine ältere Bedeutung das Begriffs “Enttäuschung” lautet, dass man keiner Täuschung mehr unterliegt. Ob die ‘Gurus’ und ‘Avantgardisten’ das auch so verstehen? Doch eher nicht!
5. September 2010 at 15:03
Chapeau!
2. September 2010 at 23:37
Danke, endlich spricht jemand das aus, was ich schon länger denke. Auch wenn ich die ganzen sozialen Netzwerke sehr spannend und informativ finde, bin ich der Meinung, dass bestimmte Leute bzw. bestimmte Gruppen das Thema Social Media einfach hochstilisieren. Zur guten Kommunikation gehört “ein bisschen mehr” als pausenlos und überall (teilweise völlig sinnlose) Bemerkungen zu posten. Ich stimme Richard Joerges vollkommen zu, die sozialen Netzwerke sind – vor allem für Unternehmen – nur ein weiterer Kanal, um Information an die Öffentlichkeit zu bringen.
2. September 2010 at 22:13
Hallo Leute, DANKE für eure Kommentare und sorry, dass einige noch nicht online sind/waren. Hat WordPress leider unter Spam einsortiert. Hoffe, dass sie spätestens morgen online sind. Grüße, Meike
2. September 2010 at 22:07
Hab ich den falschen Knopf gedrückt, oder warum ist mein Comment von vor ca. 10h nicht freigeschaltet?
2. September 2010 at 16:45
Und dann erkannte die alte Garde der Social-Media-Berater-Szene wie schlecht sie in Wirklichkeit ist und erklärte das Ende von Social Media. Die nachkommende Genration der Social-Mediaberater, ich meine diejenige mit 30 Twitter-Followern und doch schon 80 Facebook-Freunden guckt verwirrt und bietet unverdrossen Twitter-Seminare für Euro an und verkauft E-Books mit 101 Tipps wie man mit Facebook Geld verdienen kann.
Nur einige wenige haben erkannt, dass Social Media nur ein weiterer Kanal für die Kommunikation, PR und Werbung ist. Und zwar einer, dem man mit gesundem Menschenverstand begegnen muss. Wer die Kommunikation beherrscht, Storytelling drauf hat und den Dialog mit Kunden zu seinen Aufgaben zählt, der kann auch Social Media! Ohne viel Aufhebens und Gedöns…
2. September 2010 at 13:15
Meike,
ich habe Deinen Beitrag zufällig über Twitter gefunden. Ein sehr gelungener Text, Deine Darstellungen treffen den Punkt genau. Ich hatte auch mit der Teilnahme an dem Social Media Summit gedanklich gespielt, aber mir war es zu teuer und es waren zu viele selbsternannte Experten vor Ort. Das Unternehmen relativ große Schwierigkeiten mit dem Thema Social Media haben, wissen wir nicht zuletzt durch diese Studie http://www.slideshare.net/Insidebsi/why-social-media-projects-fail-a-european-perspective , dass aber so viele Berater auf einmal meinen, dass sie alle Social Media können, ist schon bedauerlich!
Ich finde, dass Social Media eigentlich nur eine weitere Hype-Definition für Kundenservice/Kundenbetreuung und -Bindung ist. Mir fällt es einfach schwer, dass man sich jetzt komplett auf Social Media einschießt, obwohl es hier lediglich um die Ausgestaltung von Kundenbeziehungen geht und sonst gar nichts!
Danke!
2. September 2010 at 13:04
Oh ja, das ist auch der Grund, warum ich mich schon öfter und zuletzt vor 6 Monaten kräftig darüber ausgelassen habe. Danke für den Beitrag.
http://www.werbeblogger.de/2010/03/23/social-media-die-selbst-inszenierte-marginalisierung-der-netzkultur/
2. September 2010 at 12:30
Liebe Meike,
ich fühle mit dir!
Ziele und Story fallen allzu oft hinten runter. Ich glaube indes, dass die Story auch nicht alles ist.
Es gibt ein ganz großartiges Buch (ganz oldschool gedruckt) von dem Game Designer Jesse Schell ( Art of Game Design). Darin sagt er, dass das einzige was Menschen medial wirklich interessiert sind Erlebnisse. Und ein Erlebnis ist immer eine Mischung aus Story, Technologie, Ästhetik und Mechanik/Dramaturgie . Wer nur über Technik und Mechanik fabuliert, verpasst eben die Hälfte und umgekehrt.
2. September 2010 at 12:20
Liebe Meike, danke. Das Ziel, der Inhalt, die Story, sie wird zunehmend vergessen – und auch mich nervt das am Social Media Hype. Ebenso fehlt das ganzheitliche Verständnis für die digitale Infrastruktur. Aber bei solchen Veranstaltungen wirst Du das auch künftig nicht finden…
2. September 2010 at 11:40
Es fängt schon damit an, dass sich jemand überhaupt Social-Media-Berater nennt. Das ist genauso absurd wie der Titel Pressemitteilungs-Manager oder Direktmail-Berater. Dafür gibt es ja Twitter-Evangelisten. Ein gutes Mittel gegen die Hysterie ist es, einfach ein eigenes Corporate Blog zu starten, zum Beispiel. Und dafür Leser zu gewinnen und zu binden, jeden Tag aufs Neue. Das hilft garantiert. Ich frage mich immer, wenn ich die Texte und Präsentationen solcher Berater lese, ob sie ihre Kunden nur in ein zwei Workshops verrückt machen oder hinterher auch wirklich gerade stehen für ihre Vorschläge und sie selbst zum Erfolg führen müssen.
2. September 2010 at 11:08
Das musste raus, wa’?
Kann ich gut nachvollziehen. Leider ist es so, dass mit Social Media tatsächlich ein Haufen Geld verdient wird. Über horrende Ticketpreise für Konferenzen und sonstige Veranstaltungen.
Am 20./21.11.2010 ist das Barcamp Darmstadt. Kostet nix, aber ist sicher interessanter, weil weniger Verkaufsveranstaltung als echter Austausch. Raus aus dem Kostümchen und back to the roots.
2. September 2010 at 11:01
Hallo Meike,
ich werde jetzt nicht ganz schlau aus Deinem Artikel. Bist Du jetzt für oder gegen Social Media? Oder gegen die Besserwisser? Oder gegen die Nichtwisser? Oder gegen die Nichtmitmacher? Hhmm?! Nachdem selbst ich ja einen längere Auszeit vom „Social Media Gedöns” hatte, kann ich Dir nur eines sagen: es geht vorbei! Das mit der Enttäuschung meine ich natürlich.
Die Frage nach einem Sinn von Social Media ist sowieso eher eine Generationen-Problem. Ein Teil von uns ist ja quasi ohne Internet, Web 2.0 oder Social Media aufgewachsen. Alle die mit dem ganzen „Gedöns aufwachsen“, werden sich solche Fragen nach dem Sinn oder dem Zweck gar nicht mehr stellen. Für diese Generation ist Social Media oder Web X.0 bereits so selbstverständlich wie telefonieren.
Nach meiner SM-Pause (!) und dem geglückten Wiedereinstieg bin ich bedenkenloser und gleichzeitig gelassener geworden. Ich nutze Social Media, wie es mir gefällt! Und freue mich über meine neuen Freunde! Ich teile mich mit! Berichte über meine Arbeit! So what?
2. September 2010 at 10:40
Ja, die “gute alte Botschaft” … ich wundere mich jeden Tag wieder auf’s neue über den Hype eines KommunikationsMITTELS. WAS allerdings über diesen Kommunikationsweg WOHIN transportiert werden soll, scheint ein zu vernachlässigendes Thema zu sein. Das ist in etwa so, als ob ich davon schwärmen würde, im Airbus A380 zu fliegen, aber Ziel und Zweck meiner Reise nicht kenne.
2. September 2010 at 10:37
Danke! Ein wunderbarer Beitrag: aus dem Bauch heraus – direkt in’s Herz des Lesers.