Michael Spreng und Robert Lasowski, Cirquent Experten für E-Mobility, sprachen mit der Redaktion des Cirquent Blogs über erste Pilotprojekte, konkurrierende Betriebskonzepte und den Umstieg auf stromgetriebene Fahrzeuge.
Cirquent Blog: Michael, Robert, ihr beschäftigt euch mit der Entwicklung intelligenter Services für Ladeinfrastrukturen von Elektrofahrzeugen. Gibt es bereits vorzeigbare Projekte, an denen Cirquent beteiligt ist?
Spreng: Ja. Cirquent Österreich ist Partner im Projektkonsortium Ballade, bei dem es darum geht, an frei stehenden Ladesäulen wie auch über Telefonzellen der A1 Telekom eine Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge anzubieten. Die Kollegen in Wien haben zunächst ein Konzept entwickelt und dann einen Feldtest aufgebaut: mit der Hardware, die man zum Aufladen der Fahrzeuge benötigt, und eben auch mit den notwendigen Zentralsystemen für die Autorisierung, Kundenverwaltung, Überwachung des Ladestellennetzwerks einschließlich Verbrauchsmessung und Abrechnung.
Lasowski: Außerdem hat unsere japanische Muttergesellschaft NTT Data in Tokio ein ähnliches Projekt mit Ladesäulen an Supermärkten durchgeführt. Der Feldtest dort hat gezeigt, dass die Methode funktioniert. Diese Infrastruktur wird jetzt in einer ersten kommerziellen Phase weiterbetrieben. Im Übrigen ist auch das System, das in Österreich entwickelt wurde, für den Betrieb reif und kann tatsächlich genutzt werden. Unsere Aufgabe bei Cirquent ist es nun, diese Aktivitäten zusammenzuführen und eine gemeinschaftliche Lösung anzubieten.
Was heißt das genau?
Lasowski: Wir sind dabei, ein System zu definieren, das nicht nur mit einigen tausend Ladestationen in Deutschland oder Österreich zurechtkommt, sondern das so flexibel ist, dass es sowohl in Europa als auch in Asien mit entsprechend unterschiedlichen Standards genutzt werden kann. Unser Ziel ist ein international marktfähiges Serviceangebot.
Und wie könnte das aussehen?
Spreng: Es sind verschiedene Modelle denkbar. Wir könnten diesen Dienst zum Beispiel gemeinsam mit einem Energieversorger anbieten, der die Elektrizität bereitstellt und das Aufstellen der Ladestationen übernimmt. Wir steuern dann den IT-Service bei. Ein anderes Modell wäre, dass wir den Service für ein Versorgungsunternehmen bereitstellen, etwa für ein Stadtwerk, das dann wiederum als alleiniger Provider agieren kann.
Also richtet sich das Angebot in erster Linie an Energieversorger?
Lasowski: Nein. Das kann auch ein Parkplatzbetreiber, ein Restaurant, ein Geschäft oder ein Supermarkt sein. Wir wollen ja gerade ein System anbieten, das es jedem ermöglicht, eine Ladestation aufzustellen, ohne sich über die ganzen Abwicklungs-, Authentifizierungs- und sonstigen Prozesse Gedanken zu machen. Wenn etwa ein Supermarkt seinen Kunden die Möglichkeit geben will, während ihres Einkaufs Strom zu tanken, steht der erst einmal vor einem Haufen Fragen: Wie machen wir das überhaupt? Wie identifizieren wir die Kunden? Wie können die bezahlen? Wie können die das freischalten? Genau diese Fragen wollen wir beantworten, indem wir sagen: Stellt die Ladestation auf und den Rest bekommt ihr automatisch von uns.
Cirquent will den Service auch international anbieten. Ist man sich denn länderübergreifend einig, dass E-Fahrzeuge mittels Ladestationen versorgt werden sollen? Es gibt ja auch Konkurrenzsysteme, die etwa mit dem Austausch von Akkus arbeiten.
Lasowski: Einig ist man sich natürlich nicht. Das wäre ja zu schön, um wahr zu sein. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass es einfacher ist, Ladestationen aufzustellen, als die Batterietauschvariante zu realisieren. Es ist nun mal leichter, sich auf einen Stecker zu einigen, als direkt in die Konstruktion aller Fahrzeuge einzugreifen, wie es für das Batterietauschmodell notwendig ist.
Spreng: Wir gehen davon aus, dass es irgendwann ein hybrides System geben wird. Bei längeren Strecken von 400 bis 500 Kilometern ist der Batterietausch ja durchaus sinnvoll, weil man damit nahezu an die Tankzeiten der heutigen Fahrzeuge herankommt. Mit den Stationen dauert das Aufladen sieben bis acht Stunden. Und selbst die Schnellladung, mit der Sie den Akku aus technischen Gründen nur zu 80 Prozent aufladen können, dauert heute in der Regel noch fast eine halbe Stunde.
Das heißt, für verschiedene Anwendungszwecke wird es verschiedene Systeme geben?
Spreng: Zumindest mittelfristig wird das so sein. Es mag sein, dass wir 2020 schlauer sind und feststellen, es funktioniert nur die Ladesäule. Aber das wird man dann sehen.
Zum Schluss noch die Frage: Fahrt ihr eigentlich selber ein E-Fahrzeug?
Spreng: Zurzeit fahre ich allenfalls mal eine elektrische Eisenbahn. Aber im Ernst: Die heutigen E-Fahrzeuge eignen sich hauptsächlich für Haushalte, in denen es zwei Fahrzeuge gibt: das eine zum Pendeln und das andere für längere Strecken. In meinem Haushalt gibt es zurzeit nur ein Fahrzeug und das muss schon aus beruflichen Gründen eins sein, mit dem ich auch längere Strecken zurücklegen kann.
Lasowski: Ich denke, das ist eine Frage nicht nur an uns, sondern von generellem Interesse. Denn es geht dabei ja genau um das, was wir mit Cirquent versuchen: die Motivation für einen Umstieg zu erhöhen. Das ist wie beim Henne-Ei-Problem: Wenn man ein Fahrzeug auf den Markt bringt, das mit Strom fährt, das aber wegen fehlender Infrastruktur nicht geladen werden kann, dann ergibt das keinen Sinn. Und umgekehrt bringt eine Infrastruktur ohne passende Fahrzeuge auch nichts. Damit trotzdem etwas in Gang kommt, versuchen wir, die Investitionshürden für Unternehmen und Energieversorger zu verringern, indem wir einen entsprechenden Service zu einem attraktiven Preis anbieten. Das wiederum könnte dann potenziellen Käufern die Entscheidung erleichtern, sich ein E-Fahrzeug anzuschaffen, weil sie so die Sicherheit haben, dass sie es auch unterwegs aufladen können. Und dann wird sicher auch Herrn Spreng und mir die Antwort leichter fallen, ob wir uns so ein Fahrzeug zulegen.







2 Responses to “E-Mobility: Die Motivation für den Umstieg erhöhen”
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